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Zwei Monate liegt die intensive Reise durch die Insel aus Feuer und Eis inzwischen zurück, und für die Exkursionsteilnehmer hat sich längst wieder der Alltag eingestellt. Rund 50 Abiturienten des Lingemanngymnasiums treten ihre Studienreisen nach Rom und London jedoch erst in der zweiten Septemberwoche an, während die Geographen im Eichsfeld zurückbleiben. Langweilig wird es den Daheimgebliebenen trotzdem nicht, denn Geographielehrer und Islandexkursionsleiter Siegfried Arand hat ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt und in seine denkmalgeschützte Schmiede eingeladen.

Dort treffen sich die Schüler zur Restauration der schuleigenen Wetterstation in Uder, um sie auch für künftige Schülergenerationen zu erhalten. Nach getaner Arbeit folgt der gemütliche Teil des Abends: Bei einem gemeinsamen Grillen werden tausende Islandfotos erstmals gesichtet und die Erinnerungen an die Reise wieder lebendig.

Am Mittwochmorgen steht bereits der nächste Programmpunkt an. Die Gruppe trifft sich in Göttingen bei der Wiechertschen Erdbebenwarte. Fasziniert stellen wir fest, dass selbst Beben aus dem mehr als 2.000 Kilometer entfernten Reykjanes, einer isländischen Halbinsel, in Göttingen registriert werden können, vorausgesetzt, sie sind stark genug. Neben modernster Messtechnik bekommen wir auch über 100 Jahre alte Instrumente zu sehen, die bis heute voll funktionsfähig sind. Im direkten Vergleich wird deutlich, welch rasanten technischen Fortschritt die Erdbebenmessung in dieser Zeit gemacht hat.

Ein besonderes Highlight folgt zum Abschluss: Wir dürfen live dabei sein, als unser Tourguide ein künstliches Beben auslöst. Dazu wird eine tonnenschwere Stahlkugel, die sogar zwei Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden hat, aus 15 Metern Höhe in ein Schotterbett fallen gelassen. Der erzeugte Impuls ist stark genug, um von den Messgeräten registriert zu werden, für uns jedoch kaum spürbar.

Unerschüttert trifft sich die Exkursionsgruppe am Donnerstag mit Fahrrädern am Heiligenstädter Barockgarten. Aufgrund der zahlreichen Sperrungen und Attraktionen rund um das Stadtfest ist das allerdings gar nicht so einfach. Lange hält sich die Gruppe dort jedoch nicht auf: Die Stadtflucht beginnt mit einer Erkundung des Eichsfelder Buntsandsteins.

Nach einer kurzen Lagebesprechung und der Sichtung des Kartenmaterials setzt sich die Truppe in Richtung Zwergenhöhle in Bewegung. Geologisch betrachtet ist der Buntsandstein ein mehrere hundert Millionen Jahre altes Gestein, das sich im frühen Trias aus abgelagerten Sanden bildete, die sich unter dem Druck späterer Sedimentschichten verfestigten.

 

Die Schüler sind dabei ausgesprochen gut mit E-Bikes ausgestattet und lassen ihren Lehrer und den Referendar, die die wilde Fahrt mit herkömmlichen „Bio-Bikes“ bestreiten, zunächst für kurze Zeit hinter sich. Bei der Alten Burg in Richtung Uder folgt jedoch die Lektion, dass die deutlich leichteren Bio-Bikes durchaus ihre Vorteile haben können, insbesondere dann, wenn zahlreiche Höhenmeter in Form von Treppenstufen zu Fuß überwunden werden müssen.

Fix und fertig, aber gut aufgewärmt, erreichen wir schließlich das einzige natürliche Felsentor des Eichsfeldes – natürlich aus Buntsandstein. Nach einer kurzen Erkundung und heldenhafter Fotoknippserei wird die Tour fortgesetzt. In Uder kommen wir kurz in den Genuss asphaltierter Straßen, bevor es über Feldwege weiter Richtung Thalwenden geht. Bergauf, selbstverständlich.

 

Unter diesen Bedingungen lässt sich ein einheitliches Gruppentempo nicht halten. So kommt es durch ein kommunikatives Missverständnis zum kurzzeitigen Verlust zweier Gruppenmitglieder, die in gemächlichem Tempo in die falsche Richtung radeln. Dank moderner Kommunikationsmittel ist das Problem jedoch schnell gelöst und die Wiedervereinigung der Gruppe gelingt.

 

Kurz vor Rumerode kommt schließlich auch die Sonne hinter den Wolken hervor. Der idyllische Blick auf Burg Hanstein und das grüne Eichsfeld entschädigt für die abenteuerliche Fahrt über Stock und Stein. Die gesamte Strecke schaffen wir an diesem Tag zwar nicht mehr, doch eines steht bereits fest: Nach den Abiturprüfungen soll die Tour fortgesetzt werden. Denn besondere Sandsteinformationen wie Käsestein und Affenstein warten noch darauf, von uns entdeckt zu werden.

Glücklich und zufrieden geht es für alle zurück in die Heimatorte – mit der segensreichen Erkenntnis, wie wunderschön das Eichsfeld doch ist. Denn für eine einzigartige Exkursion muss man nicht immer nach Island fliegen …

 

Marlene Schulze, 12b

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