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Zu Gast in der ewigen Stadt

Als der Bus am Sonntagabend um 16 Uhr in Heiligenstadt losrollte, ahnte noch niemand, wie sehr sich die kommende Woche in unser Gedächtnis einbrennen würde. Mit Herrn Thüne, Frau Jäger und Frau Battistini als Begleitung lagen zwanzig Stunden Fahrt vor uns. Eine ganze Nacht im Bus, irgendwo zwischen Autobahnraststätten vom Busbahnhof in Heilbad Heiligenstadt nach Rom. Anstrengend war das durchaus, keine Frage. Aber als am nächsten Morgen endlich die ersten Häuser Roms am Fenster vorbeizogen, war von der Müdigkeit plötzlich nicht mehr viel zu spüren.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel ging es auch schon los mitten hinein in die Stadt. Frau Battistini führte uns vorbei am Hauptbahnhof zum Kolosseum und der Moment, in dem es plötzlich vor uns auftauchte, ließ selbst die überraschen, die es aus hundert Fotos und Erzählungen zu kennen glaubten. Es ist einfach größer, wenn man tatsächlich davorsteht. Weiter ging es zur Basilika Santa Maria Maggiore, einer der vier päpstlichen Hauptbasiliken Roms. Am Eingang wurde jedem, der Schultern oder Knie zeigte, wortlos ein Tuch in die Hand gedrückt. Das ist kein Kleidungsgeschmack der Kirche, sondern eine seit Jahrhunderten geltende Regel: Wer einen Sakralraum betritt, soll das aus Respekt in bedeckter Kleidung tun, ganz gleich, wie heiß es draußen ist. Und bei knapp 35 Grad war das eine echte Herausforderung für uns.

Gerettet hat uns diese Woche vor allem eines: die nasoni, die kleinen gusseisernen Trinkbrunnen, von denen über 2.500 in Rom stehen. Sie laufen Tag und Nacht, ununterbrochen. Ursprünglich, um den Druck in den antiken Wasserleitungen konstant zu halten, einem System, das im Grunde bis zu den Aquädukten der alten Römer zurückreicht. Für uns bedeutete das vor allem eines: kostenloses, kühles Wasser an fast jeder Ecke, wann immer die Hitze zu viel wurde.

Zurück im Hotel konnten alle Schülerinnen und Schüler selbst über ihre Abendgestaltung entscheiden. Bis zur Nachtruhe konnte jeder tun, was er wollte – manche zog es noch einmal hinaus in die Gassen, andere versammelten sich zu einer Runde Poker, wieder andere ließen den Tag einfach in Ruhe auf dem Zimmer ausklingen. Jeder auf seine Weise angekommen in der ewigen Stadt. Nach der durchwachten Busnacht fielen die meisten dann aber ziemlich schnell und ziemlich zufrieden in ihre Betten.

Am Dienstag ließen wir uns zu Fuß durch die Stadt treiben. Vorbei am Trevi-Brunnen, zum Pantheon, zur Engelsburg. Nach einer Mittagspause wartete dann das Kolosseum und mit ihm zwei Frauen, die uns mit spürbarer Begeisterung durch Jahrtausende Geschichte führten. Während die Jungs eine ausführliche Führung durch Kolosseum und Forum Romanum bekamen, mussten sich die Mädchen wegen Ticketproblemen mit dem Forum begnügen – ein kleiner Wermutstropfen an einem sonst beeindruckenden Tag. Den perfekten Ausklang fanden wir bei Fassi, einer der ältesten Eisdielen Roms, die schon seit 1880 Eis verkauft. Für 2,20 Euro durfte man sich dort durch drei Sorten kosten, und wer mochte, bekam sogar noch einen Klecks doppelter Sahne obendrauf – doppia panna, wie die Römer sagen. Kein Wunder, dass italienisches Eis anders schmeckt als unseres: Gelato hat weniger Luft und weniger Fett, wird wärmer serviert, schmilzt schneller und schmeckt dafür umso intensiver.

Früh aus den Federn mussten wir am Mittwoch, denn an diesem Tag stand nichts Geringeres an als eine Begegnung mit dem Papst. Nach Sicherheitskontrolle und langem Warten erschien Papst Leo schließlich gegen 10 Uhr auf dem Petersplatz. Ein Moment, den man erlebt haben muss, um ihn zu verstehen. Mit Sitzplätzen war die Sonne gerade noch auszuhalten, denn wer schon einmal im September dort saß, weiß: Schatten ist auf dem Petersplatz Mangelware. Am Nachmittag ging es weiter in die Vatikanischen Museen und wer wollte konnte noch einmal in den Petersdom sowie zur Krypta  oder  einfach auf eigene Faust die Stadt erkunden. Ein weiterer Höhepunkt des Tages kam jedoch erst am Abend. Nach 22 Uhr, als der Trevi-Brunnen geöffnet und die Touristenmassen endlich verschwunden waren, warfen wir unsere Münzen hinein. Der Legende nach kehrt zurück, wer über die linke Schulter wirft.

Der Donnerstag hatte eigentlich andere Pläne für uns: Ostia Antica und ein Tag am Meer. Doch Regen und Gewitter machten uns einen Strich durch die Rechnung und so fuhren uns unsere beiden Busfahrer stattdessen kurzerhand ins Outlet. Kein Bad im Meer also, dafür Shopping. Ausgerechnet an diesem verregneten Tag zeigte sich Rom von seiner vielleicht italienischsten Seite: Pläne sind Vorschläge, und man macht einfach das Beste daraus. Am Abend wurden zunächst die Taschen gepackt, bevor um Mitternacht noch ausgelassen einer frisch gebackenen 18-Jährigen gratuliert wurde, ehe alle schnell ins Bett fielen, um am nächsten Morgen fit zu sein.

Am Freitag hieß es dann Bus beladen und für die Mädchen gab es noch ein letztes Highlight. Endlich ein Blick ins Innere des Kolosseums, bevor bis 17 Uhr Zeit für letzte Souvenirs und einen letzten Spaziergang durch die Stadt blieb. Dann ging es endgültig Richtung Heimat. Am Samstag um 12 Uhr erreichten wir müde, aber überglücklich wieder den Busbahnhof in Heiligenstadt – mit deutlich mehr Fotos im Handy, Souvenirs im Koffer und italienischen Ausdrücken im Wortschatz, als wir mitgenommen hatten.

Was bleibt, ist mehr als nur die Erkenntnis, dass man in Rom besser bequeme Schuhe trägt als schicke. Es ist dieses Gefühl italienischer Gelassenheit, das uns die ganze Woche begleitet hat. Ciao Rom!

 

Lina Goedecke, 12 b

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