Mittwoch, nach der 8. Stunde, wenn alle anderen schon längst die Schule verlassen haben und die Putzkolonne ihre Arbeit aufnimmt. Dann trifft sich der Schulsanitätsdienst unseres Lingemann- Gymnasiums. Dort wird gelehrt, was Erste Hilfe-Kurse nur leicht anschneiden und die meisten Menschen nach dem bestandenen Führerschein wieder vergessen haben. Dort wird ein Fallbeispiel nach dem anderen durchgegangen und eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt vermittelt: Helfen - dann, wenn es darauf ankommt, es um Menschenleben geht. Dann greift die Spezialfähigkeit des Schulsanitätsdienstes. Für den Ernstfall vorbereitet zu sein, darum geht es. Natürlich hoffen wir, dass die erworbenen Kenntnisse nur selten Anwendung finden müssen. Und während wir auf diese seltenen Fälle warten, vertreiben wir uns die Zeit mit Wettkämpfen.
Einmal im Jahr veranstaltet der Jugendrotkreuz-Kreisverband Eichsfeld, zu dem sich der Schulsanitätsdienst zählen darf, einen Kreiswettkampf. Alle Ortsgruppen und Sanitätsdienste der Umgebung testen ihr Wissen und Können gegeneinander. Hier steht nur eins im Fokus: Der Spaß. Dieses Jahr nahm das Lingemann-Gymnasium zum dritten Mal an einem solchen Wettkampf teil. Doch viel wichtiger: Der Landeswettkampf. Durch eine glückliche Fügung durfte unser Gymnasium den Kreisverband beim Wettkampf aller Kreisverbände in Thüringen vertreten. An einem Wochenende im Frühjahr in Sonneberg, erkämpfte sich unser Schulsanitätsdienst den Sieg. Landesmeister - ein zuvor unerreichbar scheinender Traum geht in Erfüllung. Doch damit ging eine weitere Unglaublichkeit einher: Die Teilnahme am Bundeswettkampf - der größte deutsche Wettbewerb im Jugendrotkreuz.
Anfang September war es dann soweit und wir fuhren nach Gera. In einer Waldorfschule schlugen Vertreter des ganzen deutschen Bundes ihre Lager auf. Und mittendrin - er Schulsanitätsdienst unseres Lingemann #-Gymnasiums. Was 2021 als einfache AG anfing, entwickelte sich schnell zum Hobby vieler Mitglieder. Ein paar Menschen, die aus einem gemeinsamen Interesse lernen, wie sie ihren Mitmenschen helfen. Daraus war die Teilnahme an einem Wettkampf nach dem anderen erwachsen und nun: der Bundeswettkampf in greifbarer Nähe.
Am Samstag, den 07.09.2024, machten sich Vertreter aller Bundesländer auf den Weg, den der Parcours vorgab. Wir waren vorbereitet. Seit dem Landessieg im Mai hatte sich jede Gruppenstunde nur um die Vorbereitungen gedreht. Der Wettkampf fragt neben der Ersten Hilfe auch Talente im Bereich Sport-Spiel, Musisch-Kulturell, Soziales und Rotkreuzwissen ab. So zog sich die Wettbewerbsstrecke quer durch Gera, mit Aufgaben wie dem Erstellen eines Cup Songs oder dem Planen eines Spielplatzes. Doch neben Allgemeinwissen, musischem oder planerischem Talent wurden natürlich auch die erlernten Fähigkeiten abgetestet. Sei es der Einsturz eines Zeltes oder der Zusammenstoß eines Skateboard- und Fahrradfahrers - der Schulsanitätsdienst kümmerte sich souverän darum. Alles natürlich nur inszeniert und nicht echt, aber für den Wettkampf wurde jeder Fall behandelt, wie ein echter. Neben den natürlichen Strapazen eines solch wichtigen Events wurde zusätzlicher Druck durch ein Kamerateam des MDR erzeugt. Als "Heimmannschaft" lag ein besonders Interesse auf dem Team aus Thüringen. Nach einigen B-Roll Aufnahmen und Interviews konnte die Strecke fortgesetzt werden. Der Beitrag wurde noch am selben Abend im MDR Thüringen Journal veröffentlicht.
Nach erfolgreichem Streckenabschluss und einer kleinen Stärkung ging es für die Teams noch zur Freizeitgestaltung: T-Shirts besprühen und Minigolf.
Am Abend versammelten sich alle Landesverbände in der Turnhalle der Schule. Eingeleitet wurde der Abend durch eine ortsansässige Band, gefolgt von einer Polonaise und dem Macarena. Und dann, endlich: Die Siegerehrung. Die Ansprüche lagen niedrig. Als kleiner Sanitätsdienst konnten wir ja unmöglich gegen 15 andere Teams bestehen, die teilweise sogar einen Kampfschrei hatten. Ein Platz nach dem anderen wurde ausgerufen und Thüringen war nicht dabei. In der Top 10 waren wir schon einmal, das war unfassbar. Als wir auch in den Plätzen 10 bis 6 nicht vertreten waren, wurde klar: Wir hatten besser abgeschnitten, als wir es uns erhofft hatten. Und endlich: Jugendrotkreuz-Landesleiterin Susan Leib nimmt das Mikro in die Hand und verkündet: Thüringen steht auf Platz 3. Eine unglaubliche Realisierung macht sich nur langsam breit: Wir sind die drittbesten JRKler in ganz Deutschland. Freude, Umarmungen und unsagbar viel Stolz. Es sind viele Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt durch die Köpfe der Lingemänner und -frauen strömen. Bei einer anschließenden Party muss dieses Ergebnis gebührend gefeiert werden. Und das wird es. Am nächsten Tag geht es dann wieder gen Heimat. Mit vielen neuen Erfahrungen, Glück und natürlich auch: einem weiteren Pokal für den Schulsanitätsdienst des Johann Georg Lingemann-Gymnasiums.
Josephine Zwingmann
Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Akzeptieren